Ich hatte es ja schon angedroht: in Zukunft wird man zunehmend von mir auch hören.

Laut werden. Den Mund aufmachen.

Ist – unter Zuhilfenahme der Stimme – immer noch mal was anderes, als zu schreiben. Und bei Dir, auf „Empfängerseite“, natürlich ebenso.

Ich werde also in Zukunft auch den einen oder anderen und vielleicht sogar einen regelmäßigen PodCast anbieten, und es gibt künftig HörBücher.

Aber das nur am Rande und als Begründung. Denn die Audio-Ambitionen haben mir Besuch eingebracht: auf einem improvisierten Stehpult steht neuerdings ein kleines dreibeiniges Alien namens „Blue Snowball“. Das ich Euch gerne vorstellen möchte.

Zusammenfassung für die Eiligen: ja, das Ding ist gut, hier kaufen!

 

Eins vorab: ich bin kein Audio-Fetischist.

Obwohl – oder vielleicht gerade WEIL – ich viele Jahre Cello gespielt habe, gute (und große ;-) ) Ohren am und im Kopf trage, und einer der größeren Anteile meiner multiplen Persönlichkeit sich immer noch als Musiker betrachtet.

Audio-Equipment war für mich immer Notbehelf, denn „live“ ist sowieso was Anderes, und für die Konserven tut’s folglich auch die halbwegs anhörbare Mittelklasse. Es geht nur drum, die Phantasie, die ohnehin weiß, wie es wirklich klingen und sich anfühlen würde, anzutriggern, sich zu erinnern. Mehr nicht.

Muß funktionieren, darf hübsch aussehen, soll nicht allzusehr scheppern.

Und soll noch zu einem Preis erhältlich sein, der deutlich macht, daß ich darauf Musikkonserven abspielen will – und nicht drei Live-Musiker für fünf Jahre durchfüttern…

Das als Vorrede – ich bin ein Pragmatiker in diesen Dingen.

Und so bin ich auch bei der Auswahl meines künftigen PodCast-Mikrofons vorgegangen.

Wenig Aufwand, mobil einsetzbar, nicht allzuviel Kohle, akzeptables Ergebnis.

OK – internes Mikro, ob nun beim iMac oder am Notebook, wäre das Einfachste. Und Günstigste. Aber: ganz schlecht. Nee, das lassen wir. Störgeräusche, jämmerliche Qualität, unflexibel. Keine Kritik an den Herstellern – manche übertreiben es zwar, aber es ist schlicht ein unmögliches Unterfangen, ein Gerät, das empfindliche Schallschwingungen (und zwar nur die gewünschten) unverzerrt aufzeichnen soll, in ein Gehäuse mit aller Art störungsproduzierender Elektronik und sirrenden und surrenden Festplatten, vibrierenden Lüftern, etc. zu pferchen. Da kann man nicht viel erwarten.

Also: externes Mikro. Klar. Daß die Mikrofon-Eingangsbuchse der meisten eingebauten Soundkarten aber allenfalls zum Einstöpseln des Headsets für die Internet-Telefonie (nein, NICHT Skype…) geeignet ist, merkt der experimentierfreudige Laie spätestens, nachdem er sich irgendwo bei Conrad & Co ein 20-Euro-Kondensator-Mic gekauft hat und frohgemut seine erste CD produzieren will… ähhhhh. Nee. Geht auch nicht. Geht ja nun GAR nicht. Scheußlich.

Gut, bevor ich mich weiter ärgere: DIESE Variante (günstiges externes Mic am normalen Soundkarten-Eingang) schminken wir uns ganz schnell ebenfalls ab. Geht allenfalls, wenn man eine sehr gute Soundkarte sein Eigen nennt, und das schließt schon mal die meisten Notebook-Benutzer aus.

Recherchiert man dann weiter, landet man schnell bei irgendwelchen Vorverstärkern, professionellen Riesenmikrofonen nebst Galgen und Spinen, 300 Meter Spezialkabel, Mischpult, Klangmodifikationspanele an den Wänden, und allerlei mehr – Gewichse.

Ich will halbwegs gute Ergebnisse. Aber kein Studio. Und ein paar Tausend Euro habe ich zum Einen grad nicht über, und wenn, dann gebe ich die nicht für Aufnahme-Equipment aus. Das muß auch anders gehen.

Ja – es gibt auch recht günstige Sets aus externer Verstärker-/Regler-Box und mittelmäßigem Mic. Z.B. die „PodCast Factory“ von M-Audio. So um die 170 Euro. Aber so sieht sie leider auch aus. Und außerdem: ich WILL keine externe Zusatzkiste und Schalterchen und Knöpfchen und noch ein Netzteil und Gepfriemel und Gewurschtel und Salat…

BlueMic1.jpg

Und da guckte mich plötzlich auf irgendeiner WebSite das kleine weiße dreibeinige Alien an. Der Schneeball. Blue Snowball. Der nicht blau ist, sondern von der Firma Blue kommt.

Und der Fall war geregelt.

Jaaaa – zugegeben. Manchmal lasse auch ich mich durch Design „verführen“.

Ich finde es durchaus relevant, daß die Dinge, die mich täglich umgeben, nicht unnötig häßlich sind.

Aber nur hübsch reicht auch nicht, das wissen wir aus anderen Lebensbereichen…

Ich habe also recherchiert.

Denn ein Mikrofon mit „Großmembran“ (das ist schon was Besseres, denkt sich der Laie, und liegt nicht ganz falsch damit), das ohne Gewurschtel einfach an einen freien USB-Port gehängt wird, das dank „Doppelspule“ per Schalter sowohl gerichtet die Dinge vor ihm aufnehmen kann („Niere“), als auch alles um sich rum („Kugel“-Charakteristik), und dann gleich noch mit Ständer (immer gut) und auch noch hübsches Retro-Design? Für rund hundert Euro??

Klang zu gut, um wahr zu sein. War aber wahr.

Testberichte etlicher Anwender sind sich einig: in der Preisklasse findet man kaum was Besseres. Und schon gar nicht als USB-Lösung. Und alle anderen sind sowieso häßlich.

Also bestellt. Und ausgepackt. Und gefreut.

Das Ding ist wirklich hübsch.

Und nach den ersten, mit mäßig viel Verstand und Apple’s „GarageBand“ umgesetzten Aufnahmen war ich auch mit der erreichbaren Klangqualität sehr zufrieden. OK, ein selbstgebastelter „Pop-Filter“ aus Draht und Nylonstrumpf verbessert die Sache, aber das ist auch bei Mikrophonen so, die das zehn- oder zwanzigfache kosten. Zischeln beim „S“ und ploppen beim „Ppp“ werden damit weniger lästig. Und man muß sich als Anfänger erstmal dran gewöhnen, daß die optimale Wiedergabe der Stimme mit allen Nuancen am besten ist, wenn man nur eine Handbreit zwischen Mund und Mikro läßt. Ich halte eigentlich lieber etwas mehr Abstand.

Aber auch das hat nichts mit dem Schneeball zu tun.

 Per Schalter einfach Richtcharakteristik umstellen

Sonst ist es wirklich gut. Und angenehm ist auch, daß es weder unter Windows XP noch unter OS X irgendwelche Treiber braucht: anstöpseln, als Aufnahmequelle auswählen, ggf. noch Aufnahmepegel justieren, fertig.

Stichwort Aufnahmepegel: über einen Austausch der Firmware (also des „Mini-Betriebssystems“ des Mikrophons) kann man seinen Schneeball für unterschiedliche Zwecke optimieren – von Haus aus ist die empfindlichere Einstellung drauf, die optimal für leisere Klänge und Sprachaufnahmen ist. Wer lieber reintrompeten will, kann sich von der Blue Homepage (s.u.) eine alternative Firmware runterladen, mit der das Mic etwas träger reagiert und laute Töne nicht so schnell übersteuert.

Tja – soweit alles wunderbar. Kein Stress, keine Treiber, gute Klangqualität, angenehme Optik, günstiger Preis.

Die Bauchbinde ist locker...

ABER.

Ich muß doch noch ein paar Kommentare zur Verarbeitung loswerden.

Und zu dieser dämlichen „Geiz ist Geil“-Haltung.

Das „Blue Snowball“ kostete bei seiner Markteinführung vor einiger Zeit gut die Hälfte mehr. Wurde in Osteuropa produziert. War gut. Klang gut. Bekam gute Kritiken.

Doch der Tenor vieler geiziger Rezensenten war: „sollte billiger sein“. Blödsinn.

Heute kostet der Schneeball tatsächlich deutlich weniger. Gehäuse und Ständer werden in China montiert. Unter welchen Bedingungen und an welchem vergifteten Fluß, wollen wir gar nicht so genau wissen.

Was wir aber ganz genau sehen, weil es vor uns steht: die Verarbeitung ist Murks.

Das Blue-Logo, das in die vordere Schallöffnung einge“paßt“ ist, ist eben nicht eingepaßt. Oben sitzt es, unten klafft eine Lücke. Der Krümmungsradius paßt auch nicht wirklich.

BlueSnowball_Logo_Fuge.jpg

Die „Bauchbinde“, dieses silberfarbene Band, das die Nahtstelle zwischen den Gehäusehälften überdeckt: etwas zu groß geschnitten und nicht verklebt. Wirft schon beim Anfassen Falten. Und noch diverse Kleinigkeiten.

Der Hammer aber ist der Ständer: Nicht nur, daß er von der Höhe her sehr knapp kalkuliert ist.

Er funktioniert einfach nicht.

Ständer: Schrott.

Der Schraub-/Klemm-Mechanismus, mit dem man den Ständer ein Stück ausfahren und dann wieder arretieren können sollte, läßt sich zwar lösen, aber so fest man danach den geriffelten Metallring wieder zuschraubt, halten tut er nicht.

Das Mic rutscht erbarmungslos wieder runter, und außerdem reicht schon der minimale Zug des USB-Kabels, damit es sich seitlich dreht. Schrott.

Da ich mit dem Klang und der Optik des Mikrofons zufrieden war, und mir früher oder später eh einen richtigen Ständer/Galgen dafür zulegen werde, habe ich das kleine Alien trotzdem behalten.

Und als alter Heimwerker und Survival-Bastler habe ich einfach die mickrige „Teleskopstange“ ausgebaut, mit ordentlich dauerelastischer Dichtungsmasse aus dem Baumarkt ummantelt, und dann wieder eingesetzt. Jetzt hält der Schund. Halbwegs.

Fazit:

Leider wieder ein geniales Produkt, bei dem der unsinnige „Billig“-Druck des Marktes (und die Gier des Herstellers vermutlich auch…) die Verarbeitungsqualität in den Keller gebracht hat.

Trotzdem bleibt das „Snowball“ ein sehr gutes Mikrofon, das durch erstaunlich gute Klangqualität und gutmütige Allrounder-Eigenschaften gerade für Einsteiger, PodCaster und Hobby-Instrumenten-Aufnehmer ideal ist.

Das hartnäckige Gerücht, es gebe keine brauchbaren USB-Mikrofone, kann man definitiv zu den Akten legen.

Die knuddelige Retro-Optik tut ein Übriges, um dem kleinen „Snowball“-Alien einen Ehrenplatz auf diversen Schreibtischen und Lesepulten zu verschaffen.

Infos:

Produkt: Blue Snowball

Typ: semiprofessionelles Großmembran-Mikrofon mit USB-Anschluß

Hersteller-WebSite: http://www.bluemic.com

Straßenpreis: knapp 80 Euro, erhältlich bei den üblichen Verdächtigen, u.a. bei dem bekannten großen Musikbedarf-Versender, der es aber nicht für nötig hielt, auf mein Feedback bzgl. der miesen Qualität zu reagieren und dafür nicht verlinkt wird. Ätsch. ;-)

Nachtrag, Jahre später… ;-)
Das Blue tut immer noch seine Arbeit, und zwar sehr gut. Mittlerweile gibt es auch stylischere Varianten in schwarz und gebürstetem Alu. Ich kann das den Schneeball immer noch empfehlen! Mehr aus Gründen der Optik und der Innovation werde ich allerdings demnächst zum Yeti überlaufen, der aus der gleichen Micro-Schmiede kommt. Hier guggstu Blue Yeti USB-Mikrophone!

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4 Responses to Ausprobiert: Blue Snowball USB-Mikrophon

  1. danke fürs review :)ich liebäugele ebenfalls mit dem blue snowball habe aber auch das samson (http://www.samsontech.com/PRODUCTS/productpage.cfm?prodID=1810) ins auge gefasst.grußmarcus

    • Martin sagt:

      Ich mag das Samson ehrlich gesagt nicht – aus dem ganz banalen Grund, daß bei mir immer auch die Optik ne Rolle spielt. ;-) Und aus eben jenem Grund wird das Snowball, das eigentlich immer noch gute Dienste leistet bei mir, demnächst auch mal durch das Yeti ersetzt.

  2. Volker sagt:

    Schönes Reviev, obwohl es nicht mehr ganz neu ist. Die Aussagen kann ich trotzdem voll unterschreiben – allerdings habe ich noch Anmerkung zur Verarbeitung.
    Kurz zur Optik: Im Gegensatz zu anderen Dingen ist der Schneeball größer als man denkt, wenn man ihn erstmal ausgepackt hat. ;-) „Kleines Alien“ trifft nicht wirklich, eher große Orange. Er ist auch erstaunlich schwer, was ich aber positiv sehe. Durch das Gewicht und die Gummifüße rutscht er überhaupt nicht – auch nicht, wenn man ihn so aufstellt, dass die Last des doch recht dicken USB-Kabels an ihm zieht.
    Die Verarbeitung: Zumindest bei meinem Exemplar passt das Logo genau – keine Spaltmaße. Die Bauchbinde ist zwar auch nicht besser – ist ein billiger selbstklebender Plastikfolienstreifen -, fällt aber nicht so ins Auge, weil er schwarz ist (wie der ganze Ball), Falten schiebt man einfach nach unten weg. Wenn dieser Ring aus dünnem Alublech wäre (womit so mancher Billigmist versucht, sich den Anschein von Wertigkeit zu geben), würde das den ganzen Schneeball optisch stark aufwerten.
    Da ich das schwarze Exemplar habe, ist der Ständer komplett schwarz und bis auf die eigentlichen Beinchen völlig aus Kunststoff – auch der „Metallring“ zum Feststellen. Dafür ist er nicht lackiert oder verchromt wie beim weißen Schneeball.
    Ich schätze, durch die glatte Verchromung und das relativ hohe Gewicht rutscht es. Bei mir hält es problemlos, allerdings: wenn man oft den Winkel des Balls auf dem Kugelgelenk verstellt, geht der ausgezogene Schaft immer etwas mit – das wirkt nicht unbedingt solide. Aber wenn man nicht ständig dran rumbiegt, steht es – und bleibt stehen.
    Wie auch immer: Für mich ist der Blue Snowball auch 2014 noch jeden Cent wert (nebenbei: Ich habe 65 € geben müssen). Einer der Kaufgründe war die umschaltbare Aufnahmecharakteristik – findet man in der Preisklasse nicht überall, wenn überhaupt.
    LG
    Volker

    • Martin sagt:

      Volker, danke für das ausführliche Feedback! und in der Tat: der Schneeball ist eines der Produkte in dieser schnellebigen und kurzatmigen Branche, das auch nach ein paar Jahren noch interessant ist. Meins ist übrigens auch immer noch im Einsatz!

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