OK, es gibt Hunderte von Seiten, die sich mit dem Umstieg von der Windows-Droge auf Linux befassen. Nun, jetzt gibt es noch eine mehr… ;-) Denn jeder hat so seine spezielle Sicht der Dinge, seine Anwendungen, die er unbedingt braucht, etc.pp. Hier gibt es meine persönliche Variante, mit diesen Inhalten:

Warum? Schwierig oder nicht? Welches Programm wofür?

Der Artikel ist alt (2007 mit ein paar Updates), ich lasse ihn aber drin, da von Details und konkreten Programm-Ersetzungen mal abgesehen das meiste immer noch gilt.
Persönlich verwende ich zum Arbeiten mittlerweile vorrangig Mac OS X und Linux v.a. für Spezialaufgaben (Security-Zeug, Testserver, virtuelle Maschine zum anon-Surfen, etc).

Fangen wir an. Und zwar mit der Frage

WARUM man überhaupt "von Windows" umsteigt?

Dafür gibt es ideologische und praktische Gründe. Die praktischen:

  • Obwohl Windows XP gar nicht so übel war in Sachen Abstürze/Stabilität: Linux ist stabiler. Punkt.
  • Virenscanner, Firewall, etc.pp.: auch Linux hat seine Lücken. Aber systembedingt weniger. Und man braucht nicht 30-40% seiner Systemressourcen für Virenscanner und "personal Firewall" aufzuwenden. Und WENN ich mit Linux eine Firewall aufsetze, ist sie wenigstens weitgehend dicht, im Gegensatz zu dem in Windows integrierten Schwachfug, den man ohnehin schnellstens mit etwas "richtigem" ersetzen mußte – was in der Windows-Welt wieder extra kostete.
  • Linux ist schneller. Selbst wenn man eine der "fetten" Distributionen verwendet. Und wenn ich eine schlanke Linux-Distri wie DamnSmallLinux oder Puppy installiere, rennt selbst der alte 486er wie ein Araberhengst…
  • Linux ist technisch überlegen. Kein Gefasel, sondern Fakt. Echte 64-Bit-Unterstützung? Gähn, gibts schon ewig. Virtualisierung? Klar. Hübsche 3D-Desktops, deren Nutzen fraglich ist, aber das Hauptargument von Vista? Klar, ham wer schon laaange. Über Live-CDs reden wir mal nicht, und überhaupt halte ich mich mal zurück, sonst wird dieser Punkt SEHR lang.
  • Kost nix. Wer unter Linux kostenpflichtige Programme will, muß suchen. Fast alles gibt es gratix und franko, und das meiste davon ist gleich gut oder besser als die kommerziellen Pendants in der Windows-Welt. Und das Betriebssystem selbst ist sowieso gratis. Zahlen muß man nur für hübsche Handbücher und professionellen Support, die gibt es nämlich natürlich auch, wenn man will.
  • Der Umstieg ist machbar. Lange Zeit war Linux wirklich nur was für "Frickler" und Menschen, die sich auskannten. Die Zeiten sind vorbei.

Die ideologischen Gründe:

  • Micro$$$oft ist einfach pfuhibah. Preispolitik, User-Verarsche (ein kommerzielles Produkt, das jedesmal erst vom zahlenden Kunden als Beta-Tester optimiert werden muß und dann nach Servicepack XY endlich benutzbar ist…), Bespitzelungsfunktionen vorn und hinten, von Geschäftsgebaren und der Person Bill Gates reden wir mal lieber gar nicht.
  • Ein System, das systematisch den Benutzer bevormundet und ausspioniert, ist indiskutabel.
  • Ein System, das systematisch für nutzlose Funktionen die Hardware-Anforderungen jedesmal so hochschraubt, daß man einen neuen Rechner braucht, ist indiskutabel.
  • Linux ist bunt und vielfältig. Es gibt für jeden Geschmack das passende Linux, das in Optik, Geschwindigkeit, Programmvielfalt und Einsatzgebiet genau auf das abgestimmt ist, was ich brauche. Kann einen am Anfang ein wenig verwirren, lernt man aber sehr bald zu schätzen. V.a. auch die Möglichkeit, eine Oberfläche seiner Wahl zu verwenden. Gnome, KDE, XFCE, Blackbox, etc.pp…. da guckt der Windows-User, der nur den EINEN Windooofs-Desktop kennt, und es schon doll findet, das Hintergrundbild wechseln zu dürfen…
  • Linux ist ein Symbol. Dafür, daß "anderes" Wirtschaften und Leben und Miteinander-Umgehen funktionieren kann und funktioniert. Wer sich ins "Neue Zeitalter" begibt oder sonstwie "anders" lebt, sollte das nicht mit Windows auf dem Rechner tun. Und wahrscheinlich hören sowieso alle Windows-Rechner 2012 auf zu funktionieren… ;-)

Aber, aber, höre ich ängstliche Stimmen murmeln,

Ist der Umstieg auf Linux denn nicht furchtbar schwierig?!

Das gehört zu den Gerüchten, die sich hartnäckig halten, aber nicht wahrer werden dadurch. Es gibt zwei dümmliche Killerargumente, mit denen Microsoft und seine Handlanger Angst verbreiten:

  1. Wenn Du nicht mehr Windows verwendest, funktioniert Dein Rechner nicht mehr. Alles außer Windows ist SCHWIERIG.
  2. Wenn Du nicht mehr Windows verwendest, gehörst Du nicht mehr zu uns. Du bist nicht mehr KOMPATIBEL.

Beides ist Blödsinn und ekelhafte Psychomasche. Warum ist Windows "einfach"? Weil faule und korrupte Rechnerhersteller den Mist vorinstallieren. Dann funktioniert er ein paar Monate, wird immer langsamer, bekommt die ersten Viren und Totalausfälle, und dann muß ein normaler Anwender entweder einen "guten Freund" bitten, Windows neu aufzusetzen, oder kauft sich ’nen neuen Rechner, "weil mein Internet so langsam geworden ist"… Wer schon mal selbst Windows installiert hat, danach mit 27 "Treiber"-CDs/Disketten seine diversen speziellen Hardware-Komponenten zum Laufen gebracht hat, und dann mehrere Tage damit verbracht hat, seine wichtigsten Anwendungsprogramme wieder zu installieren und einzurichten sowie Windows einigermaßen sicher zu machen und ihm das Schnüffeln abzugewöhnen, der weiß, daß Windows nicht "einfach" ist. Bis vor ein, zwei Jahren war das anders, aber mittlerweile gilt klipp und klar: wer in der Lage ist Windows zu installieren, der kann auch Linux installieren. Und oft genug ist es sogar einfacher. Punkt. (((und für die anderen gibts Leute wie mich, die Rechner mit vorinstalliertem Linux verkaufen)))

Dabei gibt es zwei Einschränkungen:

  1. Man muß offen sein im Kopf. Die Entwickler der graphischen Oberflächen für Linux, speziell bei Gnome und KDE, bemühen sich zwar, dem Umsteiger das Leben leicht zu machen. Vieles funktioniert mittlerweile sehr ähnlich, vieles klaut auch Microsoft wiederum aus der Linux-Welt und integriert es in Windows. Aber Linux ist ein eigenständiges, anderes System, und folglich funktionieren manche Dinge halt anders. Meist aber logischer als unter Windows (wo man immer noch auf "Start" klicken muß, um zu "beenden"…) und längst nicht mehr so, daß man merkwürdige Befehle in schwarzen Fenstern einzugeben hätte. Obwohl das oft sowieso besser und schneller ist. Beispiel: unter Linux gebe ich in einem Konsolenfenster find / -iname nasenb* ein. Das findet alle Dateien auf meinem Rechner, die z.B. Nasenbär.gif heißen. In der Zeit muß ein Windows-User ca. 10x klicken, die Zuckungen eines nervigen Golden Retrievers oder einer aufdringlichen Büroklammer abwarten und noch dreimal klicken, bevor der Explorer schwerfällig anfängt, die Platte zu durchforsten… aber das nur am Rande.
  2. Viele Hardware-Hersteller meinen noch, Linux ignorieren zu können oder sich Microsoft unterwerfen zu müssen – und liefern Treiber nur für Windows mit. Das kann bei brandneuer Hardware zu Problemen führen. Nochmal im Klartext: nicht Windows ist so toll, weil es so viel Hardware unterstützt, sondern Microsoft hat mit seiner Marktmacht die Hersteller dahingehend erzogen, daß sie Treiber für das Grauselsystem mitliefern. Aber die Front bröckelt, und nach ein paar Wochen oder Monaten hat die Linux-Community sowieso Treiber nachgebaut – und dann herrscht meist wirkliches "Plug&Play". Beispiel: hier steht ein HP "All in One" Drucker/Fax/Scanner mit integriertem Kartenleser. Unter Windows mußte ich eine unsäglich fette und eigenmächtige HP-Software installieren, bevor ich auch nur drucken konnte. Danach funktionierte kein anderes USB-Gerät mehr, weil HP die Kontrolle über den USB-Controller übernimmt, was bei bestimmten Chipsätzen zu Problemen führt. Bluefritz/AVM-Unterstützung hinüber, kein Internetzugang mehr, den HP-Mist deinstallieren, geht immer noch nicht, Stunden im Netz suchen, schlußendlich Windows neu installieren, weil es irreparabel zerschossen war… Unter SuSe Linux: Drucker einstecken, in YAST (sowas wie die "Systemsteuerung") den Drucker einrichten, fertig. Drucken, Scannen, sogar der Kartenleser funktioniert. Keine extra Treiber installieren, nix. Zweites Beispiel: mein Arbeitsnotebook, ein HP nx6125, Standard-Gurke, knapp ein Jahr alt. Installiere ich da Windows Vista (ja, ich war neugierig, und habe eine arme unschuldige alte Festplatte eingestöpselt und mißbraucht…), funktioniert noch nicht mal der Sound, ohne daß ich mir bei HP neue Treiber besorge, mal vorausgesetzt, der Hersteller bietet schon welche an. Schmeiße ich dagegen Linux rein, z.B. eine Live-CD /DVD mit Sabayon oder Backtrack, funktioniert ratzfatz ALLES (bis auf den Fingerabdruckscanner, aber der interessiert mich auch unter Windows nicht….). Soviel zum Thema Treiber. Tatsache ist allerdings, daß es manchmal Probleme gibt – und die dann zu lösen, erfordert Kenntnisse oder einen "guten Freund", wie bei Windows auch…

Abgesehen von diesen beiden Punkten ist Linux genauso einfach oder kompliziert wie Windows auch, nur eben schneller, besser, logischer. Und in vielen Bereichen sogar einfacher. Das gilt längst auch für die Installation, die zumindest bei den "großen" Distributionen wie SuSe / Opensuse, Fedora, etc. ebenso graphisch, bunt, mausgesteuert und assistentenunterstützt abläuft, wie bei allen modernen Betriebssystemen. Das zweite "Argument", das der "Kompatibilität", ist ähnlich stichhaltig. Auch wenn sich Microsoft unredlich bemüht, seine Dateiformate unter Verschluß zu halten und möglichst wenig mit anderen Herstellern zu kooperieren: bei allen wichtigen Dokumenten ist es mittlerweile wurscht, mit was ich sie schreibe. OpenOffice kann MS-Office-Dokumente lesen und schreiben (umgekehrt allerdings nicht, *lach*), PDF ist sowieso plattformübergreifend – das Problem der Kompatibilität ist nicht-existent. Es gibt SEHR wenige, spezielle Bereiche, wo man (noch) gezwungen ist, auf Windows zurückzugreifen. Auch hier wieder nicht, weil Windows so toll wäre, sondern weil viele Software-Hersteller aus naheliegenden Gründen Linux scheuen wie der Teufel das Weihwasser und lieber sklavisch dem Dark Lord dienen. Im Wesentlichen:

  • Spiele. Es gibt zwar immer mehr Linux-Spiele und hervorragende 3D-Engines, viele Spiele lassen sich mit Wine / Cedega (Programme, die innerhalb von Linux dem Spiel oder Programm vorgaukeln, es würde auf Windows laufen, ohne daß man Windows bräuchte…) zum Laufen bewegen, aber da klemmt es noch bei Einfachheit und Vielfalt. Wer also viel zockt, hat entweder Windows in einer zweiten Partition installiert, oder wie ich auf einer separaten Festplatte. Zum Zocken einfach wechseln. Und die Viren auf der Spieleplatte jucken mich nicht, weil alles wichtige auf der Linux-Platte ist…
  • Profi-Programme in einigen Bereichen.
    • Desktop-Publishing. Noch kann man da QuarkXpress oder Adobe InDesign nicht ersetzen. TeX ist nur für Hartgesottene eine Alternative (obwohl man damit tatsächlich alles hinbekommt), Scribus noch zu unausgegoren. Aber ich rede hier von Profis, die Zeitschriften oder Bücher layouten/setzen – nicht vom Briefeschreiben oder mal schnell nen Flyer designen…
    • 3D-Graphik. Es gibt zwar Top-Systeme unter Linux (Maya als kommerzielle High-End-Lösung, aber auch das kostenlose vielfach prämierte Blender), aber vieles gibt es nicht, z.B. professionelle Landschaftsgraphik (Vue Infinite, WorldBuilder, etc.), und auch populäre Programme wie Poser sucht man vergebens.
    • Hausgemachte Unternehmenssoftware. Da hat sich über die Jahrzehnte oft ein Codezeilen-Dschungel etabliert, den man eigentlich nur nach dem Amazonas-Prinzip ("Abfackeln") in den Griff kriegen kann. Und der im Gegensatz zum Amazonas-Dschungel auch nicht schützenswert ist… Entweder auf Lösungen umsteigen, die auf offenen Standards basieren, oder sehen, daß man den Mist unter Wine ans Laufen bekommt. Aber manchmal geht gar nix.

Das war’s schon. Für alles andere gibt es gleichwertigen oder besseren Ersatz in der Linux-Welt, und meist auch noch völlig kostenlos! Aber natürlich steht man als "Umsteiger", nachdem man sich für eine passende Linux-Distribution entschieden hat (als deutscher Anfänger meist SuSe), vor der Frage: WELCHES Programm unter Linux ersetzt denn nun konkret das, was ich unter Windows DAMIT gemacht habe?! Man findet längliche Entsprechungslisten im Netz, die aber aufgrund des lexikalischen Umfangs meist nicht sehr aktuell sind. Und jeder hat seine persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse. Hier also meine Liste mit Anwendungsbereichen, welche Programme ich bislang unter Windows eingesetzt habe, und was ich nun verwende. Vielleicht ist es dem einen oder anderen nützlich. die Liste wird laufend erweitert, also setzt mal nen Bookmark, wenn Euch das Thema interessiert. Einstweilen baue ich übrigens keine Links ein, die meisten von Euch können wohl mit Suchmaschinen umgehen ;-) – und bei Linux braucht Ihr nur im jeweiligen Paketemanager (YAST, yum, was auch immer) nach dem Namen zu suchen.

Liste mit Software-Entsprechungen und Empfehlungen

eMail

Nein, Outlook ist kein Emailprogramm, das ist eine Krankheit. Aber da hat die Windows-Welt tatsächlich einen starken guten Ritter im Rennen, nämlich TheBat! – zugegebenermaßen das beste mir bekannte Mailprogramm. Habe ich jahrelang benutzt. Nun tröste ich mich mit Claws Mail, das aus Sylpheed hervorgegangen ist. Das ist schlicht, rattenschnell, hat keinen Unfug mit an Bord (z.B. produziert es keine HTML-Mails, diese Seuche der Inboxen) und ist klar strukturiert. Über Plugins kann man problemlos Verschlüsselung, Spamfilterung über spamassassin, und vieles mehr einbinden. Gut ist auch immer wieder Thunderbird, den es für so ziemlich alle Plattformen gibt. Wer es lieber bunt, fett und scheinkomfortabel mag oder integrierte Lösungen im Stile von Outlook bevorzugt, wird fündig bei

PIMs / integrierte Kontakt- / Mail- / Adress- / Kalender- / Aufgaben-Verwaltungen

Wer sich unter Windows mit der unlogisch strukturierten Virenschleuder Outlook herumgeärgert hat, kann sich unter Linux mit Evolution (aus dem Hause Novell) oder Kontact entspannen. Beide brauchbar und nebenbei auch akzeptable Mailprogramme.

Text & Office

Unter Windows genauso wie nun unter Linux: OpenOffice. Nur die härtesten Excel-Freaks werden da M$-Office hinterhertrauern, alle anderen finden hier mehr als genug Funktionen, darunter viele, die in MS_Office immer noch fehlen (wie PDF-Export auf Knopfdruck). Programme für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationen, einfache Graphikerstellung und auch für Datenbanken sind in OpenOffice enthalten. Für die reine Textverarbeitung ist Abiword schneller und schlanker, reicht locker zum Briefeschreiben.

Graphik und Bildbearbeitung

Photoshop ist schon cool, aber für die meisten Dinge ist das mit Kanonen auf Fruchtfliegen geschossen. The Gimp kann fast alles, was Photoshop kann (ja, auch CMYK, falls es jemand immer noch anders behauptet…), und Normalanwender werden sich mit Sicherheit leichter zurechtfinden – Scriptfoo ist schneller und produziert wesentlich schneller die gewünschten Effekte, als bis man sich durch 5-8 Photoshop-Filter gehangelt hat. Gimp ist geil. Wer Illustrator vermißt – da bieten Inkscape, Xfig & Co leider noch nicht wirklich das Gleiche, aber für Nicht-DTP-Profis reichts. Besonders Inkscape ist seit Version 0.4.5 (die Versionsangaben unter Linux sind meist etwas tiefstaplerisch – bei Microsoft wäre das schon 2007SR2…) mein Lieblingsspielzeug geworden – richtig gut gemachte Vektorgraphik, schnell, intuitiv, kann alles, was mensch so braucht. Und zum Verwalten von Photos und anderen Bildern gibt es Digikam. Wunderbar und besser als alles, was ich aus der Windows-Welt kenne.

DTP, Layout, Druckvorstufe

Grummel, leider einer der wenigen Bereiche, für die ich noch hier und da Windows in einer virtuellen Maschine unter VMWare starte. Das kann sich noch ändern, da mit dem Satzsystem TeX und seinen diversen Zusatzprogrammen die gleichen Ergebnisse erzielt werden können wie mit Adobe InDesign oder Quark XPress. Es ist nur leider etwas, *hust* , "gewöhnungsbedürftig"… Wer nicht im Profi-Bereich arbeitet, ist mit Scribus (erinnert an Pagemaker) bestens bedient, oder verwendet eines der einfacheren Frontends für TeX, wie z.B. LyX.

Video und Audio-Player

Gibts wie Sand am Meer, für beide Plattformen. Ich bevorzuge für Videos VLC (gibts auch für Windows und ist auch da einer der besten) oder Xine und für Musik habe ich mit Amarok etwas gefunden, das mir VIEL besser gefällt als alles, was ich bislang benutzt habe – und hat Features, von denen "Mediaplayer"-Benutzer nicht einmal träumen dürfen…

Audio-Bearbeitung

Gelegentlich will man ja doch mal einen selbst ins Mikro gesprochenen Text bearbeiten oder eine verrauschte Schallplatte digitalisieren. Auch hierfür bietet Linux etliche Tools, die kommerziellen Programmen wie Magix Samplitude locker Paroli bieten. Ardour und Audacity dürften wenig Wünsche offen lassen, für Kleinkram wie das Konvertieren von mp3 nach ogg oder flac gibts Dutzende Tools, die bei jeder Distribution mit dabei sind. Es gibt sogar spezielle Linuxdistributionen für Multimedia-Entwickler, wo dann auch Echtzeit-Soundsysteme schon integriert sind, was unter Standarddistributionen schon mal Streß machen kann.

Sicherheit / Verschlüsselung

Linux bietet Sicherheitsmodelle, von denen in der Windows-Welt keiner was ahnt – SELinux oder AppArmor zum Beispiel. Und auch verschlüsselte Dateisysteme sind schon lange möglich. Ansonsten gibt es natürlich GnuPG fürs Verschlüsseln/Signieren von Emails oder das Verschlüsseln einzelner Dateien – die Integration und Bedienung ist übrigens einfacher als bei GnuPG für Windows. Was Drivecrypt früher unter Windows für mich erledigt hat, tut nun teilweise Truecrypt, teilweise verwende ich direkt verschlüsselte Reiser-Partitionen.

Wissen / Knowledge-Management

Da sieht es leider auf allen Plattformen mau aus – die meisten Menschen scheinen mit monokausal-hierarchischen Zettelkästen glücklich zu sein. Unter Windows gibt es einen vielversprechenden Ansatz, Wissen vernetzt und gehirngemäß darzustellen und zu verwalten. TheBrain wird aber in der Endkundenversion nicht mehr sehr intensiv weiterentwickelt, und man redet dort zwar seit Jahren von einer plattformunabhängigen Lösung, liefert sie aber nicht. Sorry Guys, damit seid ihr aus dem Rennen. Update: TheBrain ist mittlerweile in Version 4.x erschienen – und diese Version ist die lang angekündigte plattformunabhängige Lösung. Läuft unter Windows, Linux, Mac OS X, etc. Allerdings ist es deutlich teurer geworden.

Unter Linux gibt es i2brain, das aber sehr handgestrickt aussieht und noch nicht wirklich ausgereift ist. Ich verwende bis auf weiteres ZIM, ein sog. Desktop-Wiki, das zumindest grob die Möglichkeit bietet, Wissen sinnvoll zu strukturieren und zu vernetzen. Für den Spezialfall Webseiten zu archivieren / dokumentieren / annotieren ging mir unter Windows Web-Recherche aus dem Hause Macropool zur Hand. Gutes Programm, aber auf Anfrage teilte man mir dort mit, daß "mit Linux-Software ist kein Geld zu verdienen" sei (was Quatsch ist) und daher auch keine Linux-Version entwickelt werde. Pech gehabt, Jungs – denn nach ein wenig Recherche fand ich ScrapBook – das kostenlose Firefox-Plugin, das übrigens auch unter Windows funktioniert. Kann fast alles, was Euer Programm kann und ist beim Bearbeiten sogar flexibler. Ätschbätsch. Noch ein Spezialfall ist die Verwaltung einer recht umfänglichen CD/DVD-Sammlung, bei der ich nie Überblick habe, was ich nun auf welche gebrannt habe. Hier schafft unter Linux GTKtalog (ja, ist richtig geschrieben) Abhilfe – liest den kompletten Inhalt von CDs/DVDs ein und erstellt ein durchsuchbares Archiv daraus. Ziemlich cool. Und für Literaturverwaltung und Sammlungen aller Art gibt es Tellico.

Fraktale

Heh, das ist einen separaten Punkt wert! ;-) Apophysis, DAS wunderbarste Fraktalprogramm schlechthin, ist zwar nur als Windows-Version verfügbar. Aber a) läuft es anstandslos mittels WINE auch unter Linux und b) geht das Gerücht um, der frei verfügbare Quellcode ließe sich auch für Linux kompilieren. Da werde ich mal nachforschen (mit bislang negativem Ergebnis, Stand März 2007). Ansonsten gibt es unter Linux diverse normale Fraktalprogramme wie XaoS oder GnoFract4D und den betagten, aber immer noch faszinierenden Spezialisten Fyre.

WebDesign

Wer unter Windows mit Dreamweaver oder Namo gearbeitet hat, wird unter Linux am ehesten mit Quanta glücklich. Aber in diesem Bereich zeigt sich wie schon bei den DTP-Programmen, daß Linuxer im Schnitt bislang eher computererfahrene Menschen mit Sinn für Struktur und einer gewissen Verachtung für "WYSIWYG" waren. Gute WYSIWYG-Webdesign-Programme unter Linux kenne ich nicht. Dafür gibt es geniale HTML-Editoren wie Bluefish und Screem. Ein paar einfache Seiten kann man übrigens auch mit OpenOffice oder Mozilla erstellen. Und meist arbeite ich ohnehin nicht mehr mit statischen HTML-Seiten, sondern mit ContentManagement-Systemen wie WordPress oder PragmaMX etc.pp.

Filesharing

Ohne Bittorrent, eMule und sonstige Esel kann man ja kaum noch leben heutzutage ;-) – egal, ob man diese nun rein legal zum Laden und Verteilen von Linux-Distributionen verwendet, oder auch für "anderes". Unter Windows habe ich vorzugsweise eMule und µTorrent verwendet, unter Linux tun jetzt rtorrent und mlDoneky ihren Dienst – und das ganz hervorragend. Andere, wie aMule, Azureus, etc. mag ich weniger – wackelig, zu ressourcenhungrig, etc. Für reine Torrent-Aktionen ist rtorrent (Konsole, kaum Ressourcenverbrauch, sauschnell) am besten, ansonsten mag ich MLdonkey – unterstützt mehrere Netzwerke gleichzeitig, man kann also parallel im Eselnetz und über Torrent verteilen/saugen, und wenn man die etwas pfriemelige Konfiguration einmal durchschaut hat, ist es der wohl mächtigste Filesharing-Client überhaupt. Kann übrigens sehr gut unsichtbar im Hintergrund laufen und läßt sich wahlweise über den Webbrowser oder eine kleine GUI steuern, aber auch direkt auf der Konsole.

Backup / Partitionierung / Festplatten klonen

In der Windows-Welt habe ich Norton Ghost irgendwann an den Nagel gehängt – mir ging es auf den Geist, daß sich Backups, wenn man sie denn mal wirklich brauchte, nur wiederherstellen ließen, wenn man noch präzise die Version von Ghost im Einsatz hatte, mit der das Backup erstellt worden war – sonst waren Probleme und Totalverluste vorprogrammiert…. Ich habe dann lange Acronis TrueImage verwendet, das ich immer noch schätze. Die bootbare CD ist nicht auf ein installiertes Windows angewiesen, und man kann problemlos Festplatten, auf denen sich alle möglichen Dateisysteme befinden, kopieren, sichern und wiederherstellen.

Aber im Zuge meiner "Radikalisierung" werfe ich auch die brauchbareren proprietären Werkzeuge über Bord – wenn es akzeptables in der Open-Source-Welt gibt. Und da sind mit der GParted Live-CD und mit Clonezilla zwei Tools verfügbar, die alles abdecken, was man üblicherweise braucht. Und das schnell, komfortabel, gut, und ohne Installation – beide Tools werden als bootfähige Linux-basierte Live-CDs angeboten und sind auch auf einer Dual-Boot-CD erhältlich, wo man dann gleich beide auf einer Scheibe hat. Unterstützt werden auch Features, die den Normalanwender gewöhnlich nicht jucken, aber z.B. in einem Internet-Cafe sehr nützlich sind – das gleichzeitige schnelle "Klonen" Dutzender Recher übers Netzwerk und vieles mehr.

Es gibt noch viele Tools für "normale" Backups, Tape-Backups, usw. – ich verwende das alles nicht mehr. Mein "Home"-Verzeichnis wird regelmäßig einfach "von Hand" gesichert, da brauche ich kein incremental Backup und sonstigen Krimskrams, und ansonsten sichere ich grundsätzlich das komplette System, dafür ist eine "Klon"-Software wie Clonezilla am besten geeignet. Also nix gegen Amanda & Co, ich brauche sie nur nicht.

…to be continued…

 

Nützliche Tips entdeckt? Dann spende eine Kleinigkeit (Geld, Hardware, Werbung, etc.) für das Elfenwald-Projekt. Wir engagieren uns nicht nur im ökologischen Bereich und beim Aufbau einer "anderen Art zu leben" in Paraguay, sondern sind auch in der FOSS- und Netzguerilla-Szene kräftig unterstützend mit dabei.

7 Responses to Windows -> Linux

  1. Stephan sagt:

    Hi, bin irgendwie zufällig auf die Seite gestolpert und muss sagen bin schon sichtlich begeistert über die Windows/Linux Argumente hätte ich nicht bereits vor nem‘ halbem jahr Linux installiert, hätt ichs nun garantiert getan!

    weiter so!

    Mfg

  2. jens sagt:

    Ja Ja, seit einiger Zeit versuche ich meinem Laptop Linux beizubringen. Es klappt alles wunderbar, sogar der WLan Printserver kann angesteuert werden. Meine Radeon 9600 macht aber immer wieder Ärger. (3D Unterstützung) Irgendwann bekomme ich das aber auch noch hin.
    Auf jeden Fall ist es eine gute Alternative um seinen Rechner frei von unnötigem Ballast zu machen.

  3. Taras sagt:

    Toller Artikel! Habmich schon 2 mal mit Linux auf meinem Desktop Rechner versucht. Aber beider male aufgegeben. Wenn mein erster Notebook bald geliefert wird, dann werde ichs wieder versuchen, auf einer USB-Platte, dann kann ich den Hauptrechner zum Googeln benutzen :D

  4. öko sagt:

    eine problemlos laufende video-bearbeitungs-software habe ich für linux bisher leider nicht finden können.
    jahshaka ist in entwicklung aber bisher für mich nicht nutzbar…

    Anmerkung MH: Stimmt. Videobearbeitung unter Linux wird zwar langsam benutzbar (Open Movie Editor, Kdenlive, etc.), aber noch haben da Mac- und Windows-Tools gründlich die Nase vorn. Cool & schnell sind dagegen die ganzen kleinen Encodier-/Transcodier-Tools, meist Kommandozeile, aber unschlagbar.

  5. Torsten sagt:

    Hi, das ist eine prima Beitrag zur Thema Linux vs. Windows. Ich selbst verwende Linux schon seit vielen Jahren und würde nicht zurück gehen. Kleiner Tipp: als Video-Editor würde ich openShot oder Kino empfehlen.

  6. Klaus-Peter sagt:

    Zum Thema Videobearbeitung: Um mal auf die Schnelle ein Video zu schneiden nutze ich seit Jahren dvbcut. kino und kdenlive sind mir da schon viel zu aufgeblasen, schwerfällig und langsam.

  7. piratenchris sagt:

    Hi, super geschrieben – schön geschmunzelt dabei, weil auch so wahr! :) Mit Ausnahme von das nonlineare Videoeditprogramm  „Adobe Premiere“ sei nicht gleichwertig zu ersetzen: Cinelerra tut das! Gibts als Community CV Version und in 2anderen! Klasse!
    Nicht nur für Ubuntu… http://wiki.ubuntuusers.de/cinelerra

    Anmerkung Admin:Danke für den Link, Chris! Aber haste mal auf das Datum des Artikels geschaut – ich glaub da gab es Cinderella noch gar nicht… *grins*

    Zu Cinerella selbst kann ich nicht viel sagen, auch nicht, wie weit man damit im semi-professionellen / professionellen Umfeld kommt, das gewisse „Standards“ sehen will, weil ich Verräterschwein mich schon länger ins Apple-Lager verabschiedet habe und Final Cut verwende… ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Fündig geworden?

Haben unsere Texte, Infos und Tips Dir gefallen? Hast Du gute Anregungen bekommen? Dann revanchiere Dich mit einem kleinen oder größeren Betrag - hilft uns bei der Umsetzung unserer "anderen" Lebensvisionen und dabei, Dich daran über diese Webseiten teilhaben zu lassen!
Iframe