9. August 2007

Tips & Tricks: Notebook reinigen! Dann hört der Lärm auf…

Die Klagen hört und liest man immer mal wieder - “mein Notebook war früher viel leiser. Jetzt springt immer öfter der Lüfter an, und außerdem pfeift er, wo er früher eher nur gerauscht hat…. echt nervig. Schrottzeug.”

Sehr nachvollziehbar. Bis auf die letzte Aussage. Denn nur selten ist an dieser Entwickung der Hersteller schuld. Meist ist dagegen der Grund ein ganz banaler: Dreck. Und die Faulheit/Feigheit der meisten Benutzer, mal zu Handbuch, Schraubenzieher, Staubsauger und Wattestäbchen zu greifen…

Bei mir war es heute mal wieder soweit: mein HP nx6125 war lästig laut geworden, immer öfter heulende, kurze Lüfteranwandlungen und Geräusche wie von einem startenden Düsenflugzeug… was ich hasse. Also ran ans Werkzeug…

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Nochmal zur Klärung: wenn das Notebook laut wird, kann es tatsächlich am Hersteller liegen. Besonders, wenn das bereits in den ersten Wochen geschieht. Häufig werden billige Lüfter verbaut, die recht schnell “ausleiern”, dann unwuchtig laufen, vielleicht gar noch unversäuberte Plastikgrate an den Schaufeln haben, und schleifen und winseln und pfeifen, daß es einen grad graust… Da hilft nur reklamieren und austauschen.

Ein anderer Faktor ist das Betriebssystem und/oder BIOS. Hier und da ist einfach die Lüftersteuerung oder auch das Hoch-/Runtertakten des Prozessors blödsinnig geregelt oder funktioniert gar nicht, so daß die Lüfter viel zu oft kurz aufheulen, statt länger auf niedrigerer Drehzahl zu laufen. Da helfen BIOS-Updates und Herumgetrickse mit den ACPI-Einstellungen, was je nach Betriebssystem böse Handarbeit oder das Installieren von Zusatztools bedeuten kann…

Meist aber ist der Grund ganz einfach der, daß die wenigsten unserer Rechner in Reinraum-Umgebungen betrieben werden. Katzenhaare, Staub, Dreck, Krümel, Qualm… immer rinn damit!
Und die meisten normalen Notebooks haben Lüfter und sind darauf angewiesen, daß kalte Luft (mitsamt Dreck) hinein, und warme Luft (minus Dreck, der verbleibt im Notebook) wieder hinausbefördert wird.

Nicht umsonst sind Industrienotebooks, die für den Einsatz in raueren Umgebungen gedacht sind, meist lüfterlos konzipiert, so daß das Gehäuse vollständig geschlossen gebaut werden kann. Der Preis dafür ist ein meist astronomischer Preis und: langsamere Komponenten und die Kühlung erfolgt über das Metallgehäuse, das dabei Spiegeleier-taugliche Temperaturen erreichen kann.

Die unvermeidliche Verschmutzung bei normalen Notebooks hat zwei Dinge zur Folge: Staub setzt sich auf Prozessor, Kühler, Heatpipe ab, verstopft Ritzen und Kühlrippen und behindert damit die Luftzirkulation. Die passive Kühlung, indem einfach warme Luft entweicht und zumindest bei geringer Systembelastung Prozessor und Chipsätze genügend Hitze entführt, wirkt kaum noch - der Lüfter muß häufiger herhalten.
Und der muß heftiger arbeiten, weil der Luftstrom sowohl zu ihm hin als auch der ins Freie durch Staubansammlungen und Haarpolster verbaut ist. Dazu kommt, daß sich feiner Staub auch auf den Schaufeln des Ventilators ansammelt - dadurch verändert sich das Strömungsverhalten, Leistungsbedarf und Lautstärke steigen, und oft entsteht das nervtötende hohe Pfeifen, das geräuschempfindliche Notebookbesitzer fürchten.

Die Lösung: Putzen!!

Man nehme: eine Prise technisches Selbstvertrauen, das technische Handbuch des Herstellers für das entsprechende Modell (im normalen Benutzerhandbuch fehlen meist “sicherheitshalber” die Anleitungen zum Zerlegen des Notebooks…), ein paar kleine Schraubenzieher, einen Pinsel oder das Bürstchen vom Rasierer, einen Staubsauger mit Düsenaufsatz und ein paar Wattestäbchen. Dazu noch etwas Reinigungsflüssigkeit und ggf. je nach Lüftermodell ein symbolisches Tröpfchen hochwertiges Öl (z.B. Ballistol Waffenöl).

Keine Angst! Nur bei beschissenen Billignotebooks kann man das Gehäuse nicht ohne Gewaltanwendung öffnen, und anständige Hersteller bieten Anleitungen, die jedem, der nicht drei linke Hände hat, eine solche “Operation” ermöglichen. Je nach Hersteller ist durch diese - notwendige - Wartungsarbeit nicht einmal die Garantieleistung beeinträchtigt.

Also - erstmal Handbuch besorgen und LESEN. Bei HP habe ich Glück - es gibt es erstklassige, bebilderte und ziemlich idiotensichere Wartungshandbücher als PDF, frei zugänglich über die Supportdatenbank.
Die Version für das nx6125 findet sich hier.

Dann einfach den Anleitungen folgen:

Strom weg, Batterie raus. Ein paar wenige Schrauben sind zu lösen (die sternförmigen Spezialschräubchen lassen sich, wenn man den entsprechenden Schraubenzieher nicht hat, auch mit einem kleinen normalen Schlitzschraubendreher der entsprechenden Größe leicht lösen, ohne sie arg zu beschädigen). Meist muß das Panel mit den Schaltern und Sondertasten entfernt werden und die Tastatur (merken, wo und wie herum die Stecker an der Hauptplatine eingesteckt waren…) - und schon sieht man den Patienten und die Staubflocken…

Also erstmal mit dem Staubsauger drüber. Dabei - wichtig! - den Lüfter mit z.B. einem Wattestäbchen am Drehen hindern - sonst dreht er sich mit irrsinniger Geschwindigkeit, fabriziert dabei Strom (jeder Elektromotor ist zugleich eine Art Dynamo…) und schrottet mittels Überspannung im dümmsten Fall die Elektronik, die ihn im Betrieb regeln soll…

Wenn der grobe Dreck weg ist, ist schon mal viel gewonnen.

Am besten aber auch noch den Lüfter ausbauen und akribisch reinigen - also behutsam mit dem Wattestäbchen und etwas Reinigungsflüssigkeit jede Schaufel von beiden Seiten “polieren” - Du wirst Dich wundern, wieviel Dreck da runterkommt… Wenn es sich nicht um ein vollständig gekapseltes Modell handelt, sprich irgendwo eine Achse sichtbar ist, schadet ein Tröpfchen Öl nicht. Aber wenig! und den Überschuß entfernen, nicht daß das Zeug sich nachher im
Gehäuse verteilt…

Lüfterausbau beim HP Notebook<< Bebilderte Anleitungen ermöglichen auch dem Normaluser, problemlos sein Notebook zu zerlegen.

Jetzt noch mit Pinsel/Bürstchen das Kühlgitter / den Kühlkörper der Heatpipe, durch den der Lüfter ins Freie pustet, ordentlich schrubben, damit da statt verkrusteter gut isolierender Staubschichten wieder blankes Metall gekühlt wird, und der Weg für die Abwinde frei ist!

Fertig.

Ähm, ok - noch zusammenbauen. Vorzugsweise so, daß nicht allzuviele Teile und Schrauben übrigbleiben.
Schließen, ein Gebet zu den bevorzugten Göttern, und - anschalten.

Und siehe da: dezentes Rauschen. Kein Gepfeife mehr. Und der Lüfter springt deutlich seltener an.

Ich bin SEHR glücklich, kann nachts wieder die Torrents durchlaufen lassen ;-), ohne Schlafstörungen zu kriegen, und empfehle jedem, eine solche Operation alle paar Monate vorzunehmen!
Erhöht die Lebensdauer, verbessert die Laune des Benutzers, schont die Ohren - und ganz nebenbei wird man sicherer und vertrauter im Umgang mit seinem Notebook.

Frohes Putzen wünsche ich!

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