Nachrichten über Privacy und Security in der Welt der Computer und Kommunikation zu lesen ist schon seit längerem eher Ärger und Frust fördernd als amüsant. Privatsphäre ist terrorverdächtig, und „Sicherheit“ gilt nur noch für Staaten und Banken, normale Menschen haben jegliche Sicherheit ihrer Daten „freiwillig“ aufzugeben, damit sie sich wohlbehütet vor bösen Islamisten und sonstigen „Radikalen“ „sicher“ fühlen können… die Absurdität ist erdrückend, und die erfolgreiche Um-Deutung von Worten in den letzten 10-15 Jahren ein absolutes Lehrstück.

Aber hier und da gibt es mal eine Meldung, die zumindest als Nebeneffekt ein fettes Grinsen hervorruft.

Wie neulich auf Heise zu lesen haben israelische Sicherheitsforscher sich eine nette Demonstration einfallen lassen.

Übersicht über die Bauteile des Schnüffel-Fladenbrotes (Bild: Laboratory for Experimental Information Security)

Übersicht über die Bauteile des Schnüffel-Fladenbrotes (Bild: Laboratory for Experimental Information Security)

Schon länger ist es möglich, Verschlüsselungsverfahren anzugreifen, ohne direkten Zugriff auf den Rechner (z.B. via Staats-Virus/Trojaner) zu haben oder seine Netzwerkverbindungen abzugreifen (der allseits beliebte Provider, der die Daten entweder selber mitliest/schneidet oder bereitwillig an alle möglichen obskuren Stellen und „Dienste“ weitergibt…).

Mit entsprechend feinfühliger Elektronik ist es möglich, dem Prozessor quasi beim Rechnen zuzuhören, und aus den CPU-Emissionen zu rekonstruieren, was er gerade treibt – und z.B. das ach so geheime Passwort oder den Cryptoschlüssel zu erlauschen, während der Rechner eine verschlüsselte eMail entschlüsselt…

Das galt bislang als eher aufwendiges Verfahren, dessen komplexe und teure Technik und komplizierte Anwendung Berufsschnüfflern vorbehalten blieb.

Die Tüftler vom Laboratory for Experimental Information Security haben nun demonstriert, daß das Ganze mittlerweile mit gängigen und günstigen Elektronik-Komponenten zu realisieren ist und sich inkl. Batterien notfalls in einem kleinen Fladenbrot unterbringen läßt… Angriffe, z.B. auf GnuPG, scheinen mit dem verwendeten Verfahren nur Sekunden zu dauern.

Damit ist wieder einmal demonstriert worden, was Politschwätzer und „Sicherheits“-Teppichverkäufer für Unfug reden: Fakt ist, daß dem Normaluser (und selbst dem Fortgeschrittenen) keine benutzbare Technik zur Verfügung steht, um sich und seine Daten gegen das aktuelle Arsenal von Menschen und Organisationen mit entsprechender krimineller Energie zu schützen.

Von der organisierten und durch über eine Dekade „Anti-Terror“-Gehirnwäsche legal und hoffähig gemachten Kriminalität der Staatsschnüffler und Staat-im-Staat-Schnüffler reden wir lieber gar nicht – denen stehen noch ein paar andere Mittel zur Verfügung, die müssen das Fladenbrot auch nicht maximal 50 cm neben dem Rechner plazieren und können von weiter weg lauschen…

Jedenfalls nicht den Döner von gestern neben dem Rechner liegen lassen. Könnte vom Mossad oder schlimmerem sein. Lieber reinbeißen. Wenn es knirscht – gründlich kauen oder mit einer stabilen Gabel kräftig drin rumstochern. ;-)

Und wenn man etwas wirklich für sich behalten möchte – dann wissen wir doch aus zahlreichen Filmen, wie man das macht: bei laut gestellter Musik und laufender Dusche sich leise über Belanglosigkeiten unterhalten und einen handgeschriebenen Zettel mit der eigentlichen Information überreichen, der dann schnell verspeist wird… LOL

P.S.: ein wohldosierter Einsatz von (vorzugsweise OpenSource-) Verschlüsselungssoftware ist natürlich dennoch sinnvoll – denn zumindest technisch dumme Kleinkriminelle, der lokale Internetprovider, der sonst schon mal gerne eMails mitliest, oder der böswillige Nachbar, der sich zum WLAN Zugang verschafft hat, sind gewöhnlich nicht in der Lage, aktuelle Verschlüsselungen zu knacken. Ähnliches gilt für Festplattenverschlüsselung, die zumindest normalen Dieben die Datenbeute vermiest.

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