Das wird der härteste Brocken. Für mich. Muß ja schließlich halbwegs objektiv schreiben, wenn ich diese Artikelserie nicht gleich völlig entwerten will. Und bei Windows und diesem unaussprechlichen Konzern aus Redmont fällt das immer ein bißchen schwer. Aber ich werde mir Mühe geben.
Unter anderem, um es gleich vorwegzunehmen, weil ich Windows für ein paar Anwendungsbereiche durchaus für nützlich halte.

In der Ankündigung hatte ich getitelt: "Windows – der Platzhirsch mit dem bröckelnden Geweih".
Das stimmt. In puncto Marktzahlen leider noch nicht so stark, wie man es sich wünschen würde. Aber was die Technik und das Feedback der etwas technischeren "Gemeinde" im Netz angeht, ist es schlicht und ergreifend so. "Sag good buy bye zum Geweih!"
Das Geweih heißt….
Technorati Tags: Betriebssystem, Microsoft, Windows
…"Windows Vista". Bei seiner Einführung hatten die "Fachzeitschriften" von Computerbild bis Spiegel online sich in Unvermeidbarkeitsrhetorik und Unterwürfigkeit geübt, den Anzeigenabteilungen war’s geschuldet.
Doch seither geht es stetig bergab – IBM/Lenovo, nicht gerade als Microsoft-Feind bekannt, bietet neuerdings kostenpflichtige (lustig – selbst an ihrem Scheitern verdienen sie noch…) Downgrades für seine Notebooks an, damit man wenigstens mit Windows XP wieder darauf arbeiten kann.
Ein nicht ganz unbekannter IT-Journalist, nachdem er seinen anzeigenabhängigen Job beendet, wagt es endlich, seine eigentliche Meinung zu schreiben.
Und selbst Microsoft-Entwickler wie Rory Blyth schreiben in ihren Blogs klipp und klar, was sie von Vista halten, und warum sie es lieben, im Urlaub ihr MacBook mit Mac OS X zu verwenden… Adäquates Feedback im Blog von "Fake Steve Jobs" war ihm sicher *lach*
Der Vista-Bart ist ab, Freunde.
Das Ding ist instabil, frißt Ressourcen, treibt Entwickler in den Wahnsinn, die Treiberunterstützung ist immer noch unter aller Kanone – und das alles für eine Handvoll Features, die es im Vergleich zu XP "mehr" bietet, von denen aber ein Großteil rein optischer Schnickschnack ist, der keinem beim Arbeiten hilft, einen neuen Rechner erfordert, und noch nicht einmal richtig Spaß macht.
Schadenfreude?
Sicher, ein wenig. Ähm, genaugenommen sogar ziemlich. MUHAHAAAAHAAA.
Wer so mit seiner Monopolmacht umgeht, wie es Microsoft seit etlichen Jahren tut, verdient einen ordentlichen Dämpfer. Und Vista, wenn nicht schleunigst ein SEHR ernstzunehmendes "ServicePack" nachgeschoben wird, ist das gröbste Eigentor, das sich Microsoft jemals geleistet hat, ich möchte fast sagen: noch schlimmer als Windows ME seinerzeit…
Aber in die Schadenfreude ist gleichzeitig auch ein winzigkleinesbißchen Anlaß zu Hoffnung hineingemischt. Und geradezu ein paar positive und freundliche Gedanken für ein Unternehmen, daß ja mal technisch recht fit WAR und das im Gegensatz zu vielen anderen auch in zahlreich klingelnde Münze umzusetzen vermochte. In letzter Zeit haben sie halt nur noch geklingelt.
Aber Menschen wie Rory Blyth behalten ihren Job bei Microsoft. Redefreiheit unter den als MicroSlaves oder M$ervs bekannten Arbeitsdroiden des Imperiums wächst. Widerstand auch. Und man läßt sie bislang gewähren.
Ballmer, nicht gerade als sanfter Mensch bekannt, hat noch keinen der "Nestbeschmutzer" eigenhändig gelyncht. Jedenfalls ist nichts nach außen gedrungen. Gates macht sich schon lange nicht mehr die Hände schmutzig. Vermutlich ist auch ihm klar: Milliarden hin, Milliarden her, und auch wenn immer noch irgendwas um 90% der Desktops sich von Fenstern knechten lassen – der Druck wächst. Und Microsoft braucht dringend eine Frischzellenkur.
Aber überlassen wir das mal Microsoft. Die haben genug Geld und könnten sich ruhig mal mit der gesamten Belegschaft ein "Sabbatical" oder auch zwei verordnen, eine Weile in sich gehen, und dann mit irgendetwas Sinnvollem und Durchdachtem wieder auftauchen.
Und wie jedem Monopolisten tut es auch M$ ganz gut, wenn sie mal ein paar Prozent Marktanteil verlieren (was sie dieses Jahr definitiv werden), und sich nicht ewig auf ihren Milliarden ausruhen, ohne etwas weiterzuentwickeln.
Aktueller Stand ist jedenfalls ganz klar: Finger wech von Vista. Abwarten. Wenn überhaupt, dann nach ServicePack No. 2 einsteigen.
War bei XP auch so, wenn auch nicht ganz so schlimm. Allerdings gibt es auch dann wenig Gründe, sich Vista anzutun, dafür bringt es zu wenig wirklich nützliche Neuerungen.
Neben den Vista-spezifischen Ärgerlichkeiten (im Englischen nett "Vistannoyances" genannt) spielen auch die altbekannten Fakten eine Rolle:
- Windows ist ressourcenhungriger und damit langsamer als andere Systeme
- Windows ist weniger stabil, das Speichermanagement ist Mist, man kann nur selten den Rechner mal zwanzig Tage ohne Reboot durchlaufen lassen…
- Windows hat mehr Bugs als andere Systeme. Die "BlueScreens" sind bei XP zwar weniger geworden, aber das allseits beliebte "Einfrieren" gehört immer noch zum Alltag jedes Windows-Benutzers. Man muß ja nicht gleich fiese Persiflagen programmieren wie WindowsRGEdition hier, aber es ist schon hart…
- Windows ist immer noch kein wirkliches Mehrbenutzersystem mit anständiger Rechteverwaltung. Und es ist auch immer noch kein wirkliches Multitasking-Betriebssystem. Und es schleppt immer noch Betonklötze aus der 16-bit DOS-Zeit mit sich rum.
- Windows ist weniger sicher. Natürlich kann man mit Zusatzsoftware und einigem Wissen auch ein Windows-System halbwegs "dicht" machen. Aber von Haus aus ist Windows sperrangelweit offen, und auch Programme wie Outlook sind eine förmliche Einladung an Viren, Trojaner und sonstigen Mist. Auch im Kanzleramt, wie wir wissen, wo man immer die chinesischen Vi4gr4-Mails aufmacht und die von den hüschen lonely girls. Und wenn man es halbwegs sicher macht, dieses Windows, dann fressen die zusätzlichen Firewall- und Virenscanner- und AntiTrojan-Programme wiederum 40% der Systemleistung, die Windows nicht schon selbst verbrät…
- Windows schnüffelt. Windows speichert eine Menge Zeug über seinen Benutzer, und es telephoniert gern mal nach Hause. Und es erlaubt Fernzugriffe. Bei Vista geht das so weit, daß, wenn Microsoft (ob zu Recht oder Unrecht) vermutet, die Windows-Kopie sei nicht ganz legal, kurzerhand die neue schicke Aero-Oberfläche fern-abgeschaltet wird. Soviel Zugriff muß schon sein. Oder auch nicht.
- Windows ist unlogisch und ineffizient. Eine der größten Marketingleistungen der Geschichte: Windows-Programme als "benutzerfreundlich" und "intuitiv" zu verkaufen. Die Bedienlogik erfordert bei Windows sehr oft beachtliche Dehnübungen des gesunden Menschenverstandes. Und für viele simple Alltagsaufgaben braucht man bei Windows doppelt so viele Mausklicks (mindestens) wie bei Mac OS X (bei Linux bräuchte man nur einen kurzen Konsolenbefehl, aber der ist ja nicht benutzerfreundlich…. *kopfschüttel*). Meine persönliche Einschätzung: 25% Effizienz- und Produktivitätsgewinn bei Einsatz von Mac OS X als Arbeitsbetriebssystem. Bei Linux etwas weniger, weil höherer Einstiegsaufwand, aber dann ähnlich.
- Windows ist der Technologie-Nachreiter. Wenn zur Zeit etwas Neues entsteht in der Welt der Betriebssysteme – dann bei Apple oder in den Köpfen der Linux-Entwickler oder bei irgendwelchen Nischen-Systemen. Microsoft kopiert nur noch, und das meist auch noch schlecht, wie die "Aero"-Oberfläche von Vista mal wieder zeigt.
Aber wofür braucht man eigentlich überhaupt noch Windows?
Gute Frage. Für einen Großteil der Menschheit lautet die Antwort ganz einfach: gar nicht mehr. Je nach Bedürfnissen und Kenntnisstand wird man mit Linux oder Mac OS X sehr viel glücklicher.
Die Gründe der anderen, in loser Reihenfolge gelistet:
- Mangelnde Intelligenz, Zeit, Flexibilität, Neugier. Man hat mühsam in seinen technophoben Kopf den Unterschied zwischen linker und rechter Maustaste reingeprügelt. Hat endlich verstanden, warum man auf "Start" klicken muß, um zu "beenden" und hat die Grundzüge von Outlook und Word gelernt. Genug Gehirnakrobatik für ein Leben.
- Motto: "Ich lern doch jetzt nicht noch mal alles neu".
- Diagnose: nicht zu helfen.
- Therapie: hmmmm. Der nächste bitte.
- Zocken. Ein guter Grund. Die Hersteller von Computerspielen sind rein geldgetrieben, bislang lag das Geld fast ausschließlich im Windowsmarkt, daher gibt es die meisten kommerziellen Spiele nur für Windows. Gaaaanz langsam ändert sich da was, so hat EA, einer der größten Publisher, gerade einige seiner neuen Titel auch für Apple Mac portiert. Aber entwickelt wird meist immer noch für Windows, und das Angebot von Spielen für andere Plattformen ist sehr mäßig, von einigen vielversprechenden OpenSource-Spielen mal abgesehen. Profi-Spieler und andere Süchtige brauchen noch Windows, keine Frage. Sie sind auch die einzigen, die wegen DirectX 10 vermutlich irgendwann Vista brauchen.
- Motto: "Hauptsache FPS, 24 Pixel Pipelines, und keine Ruckler."
- Diagnose: Kein Problem. Du hast wahrscheinlich eh keine legale Kopie von Windows.
- Therapie: Dual-Boot, dann klappts auch mit Linux oder OS X.
- Berufliche Zwänge. Es gibt Unternehmen, die "IT Standards" formuliert und festgelegt haben. Vor zehn Jahren. Und an denen wird festgehalten. Da steht drin: "Alles außer Microsoft Office ist inkompatibel. Alles außer MS Outlook ist inkompatibel. Und Du sollst kein anderes Betriebssystem neben Windows haben." Andere haben komplexe betriebliche Lösungen auf Windows-Basis statt auf offenen Standards gestrickt – und weil keiner mehr den Quellcode hat und sowieso nix dokumentiert wurde, ist man auf Ewigkeit mit Warenwirtschaft und Kundendatenbank an Windows gekettet…
- Motto: "Wir müssen doch kompatibel sein. Und der alte ITler ist eh nicht mehr da."
- Diagnose: Versteinerter Realitätsverlust. Missmanagement. Arme Sau.
- Therapie: Gesamte IT-Abteilung rausschmeißen. Falls vorhanden. Oder einfach weitermachen. Ziemlich egal.
- Die Gier nach Software. Guter Grund. Es gibt für Mac OS X und Linux so ziemlich alles, was man als normaler Mensch jemals am Computer braucht. Bei Linux kostet das Meiste nicht einmal Geld. Aber da sind die Trillionen mehr oder minder nützlicher Programme, die von riesigen Herden semiprofessioneller (und teils auch professioneller) Windows- und .NET-Entwickler geschrieben wurden, und die halt auf nix anderem laufen. Und dank "closed source" und/oder dämlicher Programmierung auch nicht zu portieren sind. Das hübsche "Ich-werd-SuperModel"-Kinderprogramm zur Vorschulverblödung? Klar, muß sein. Kleine Webmarketing Tools, die dank .NET nur auf Windows funzen. Und nicht einmal über CrossOver lauffähig sind. Jede Menge Schrott, den kein Mensch braucht, aber auch ein paar kleine Nischenjuwelen von eigentlich ganz fitten Entwicklern, die nur leider exklusiv für die falsche Plattform programmieren.
- Motto: "Wieso läßt sich das auf Linux nicht installieren???? Ich brauch wieder Windows."
- Diagnose: Heilbar. Möglicherweise.
- Therapie: Aufs Wesentliche konzentrieren. Und den Rest in einer virtuellen Maschine laufen lassen, in der Windows XP installiert ist.
DAS WAR’s.
Mehr Gründe gibt es nicht.
Anders formuliert: außer einer gründlichen Spielesucht oder einer berufsbedingten Office-/Unternehmenssoftware-Sklaverei gibt es keine Gründe mehr, Windows als Hauptbetriebssystem zu verwenden. Sorry Microtards, aber so ist es.
Dagegen gibt es ein paar gute Gründe, Windows (und zwar XP Pro oder bei manchen Aufgabenbereichen sogar noch Windows 2000) als Zweitsystem zu behalten.
Sei es in einer Mehrfachboot-Umgebung (wo mehrere Betriebssysteme getrennt voneinander installiert sind und man beim Rechnerstart auswählt, welches man gern hätte), oder in Form einer virtuellen Maschine, die unter dem Hauptbetriebssystem (Mac OS X oder Linux) läuft und einem – unter OS X sogar völlig nahtlos integriert – die Windows-Anwendungen zur Verfügung stellt, auf die man nicht verzichten möchte.
Das ist das Reservat, in dem die Fenster-Spezies die nächste Zeit überdauern darf.
Außer natürlich auf den Rechnern der 90% Menschen, die sich gerne mit Viren, einem verkrautenden und ständig langsamer werdenden System, unlogischer Bedienung, und, und undsoweiter herumplagen…
Die Masochisten-Szene ist größer, als man meinen sollte.
Aber wenigstens haben sie immer eine gute Ausrede, wenn mal wieder eine Deadline verschlampt oder eine wichtige eMail nicht gelesen wurde:
"Mein Rechner ist abgestürzt".
Windows-Usern glaubt man das.
Und weils so traurig ist, zum Schluß noch was zum Lachen:
Bodo Wartke mit seinem "PCdenzfall".
[flash]http://www.myvideo.de/watch/1947661[/flash]




Das ist mein erster Kommentar seit 10 Jahren dauer Pc User.
Der Artikel hat mich schwer getroffen. Ich habe auch diese Erfahrungen gemacht. Und muss dir in allem Recht geben. Weiter so! Vieleicht besinnt sich die Menschheit und lässt das Closed-Source System entlich mal links liegen. Anstatt von 1999 bis 2009 sich mit alten Problemen zu plagen, sollte man einfach auf Alternativen mehr Wert legen. Für eine sich immer schneller entwickelte Welt lohnt sich ein Betriebsystem das auf der Stelle stampft nicht mehr.
Wenn der Umstieg gelingt. Werden Linux und Mac der neue Renner unter den Systemen sein. Und Spieleentwickler sollten wissen, dass ein User liebendgern Spiele anstatt Updates und neue Windows Releases kaufen möchte.
Natürlich ist Windows das meist verbreitetste System, aber es wäre kein Fehler, mehr Entwicklung in Open Source Systeme zu legen und Spiele für das jeweilige System spieletauglich zu machen. Windows ,Mac und Linux bieten alle Vorrausetzungen für Top Spiele Hits. Und in Zeiten der Blue Ray Disk könnte man ruhig PC Spiele für alle Platformen zugänglich machen. Da steigen die Umsätze von 90% auf 99%. Den es macht sicher mehr Spaß alles in einer Umgebung zu haben. Anstatt immer wieder ( für Multi Boot Systeme ) Rebooten zu müssen.
Gruß an alle Zocker. Und gebt nicht zu viel Geld für neue Harware aus. Aus Erfahrung weiß ich das das nur meistens 1-2 FPS mehr im Spiel heist. Aber anstatt 700€, 1500-2000€+++ bedeutet.
Wer schon so viel ausgibt, sollte darauf achten das er auch alle Benchmarkrekorde bricht, und Premien kassiert. zb von 3d Mark oder dem Spielefreund EVGA.
Das ist mein erster Kommentar seit 10 Jahren dauer Pc User. Der Artikel hat mich schwer getroffen. Ich habe auch diese Erfahrungen gemacht. Und muss dir in allem Recht geben. Weiter so! Vieleicht besinnt sich die Menschheit und lässt das Closed-Source System entlich mal links liegen. Anstatt von 1999 bis 2009 sich mit alten Problemen zu plagen, sollte man einfach auf Alternativen mehr Wert legen. Für eine sich immer schneller entwickelte Welt lohnt sich ein Betriebsystem das auf der Stelle stampft nicht mehr. Wenn der Umstieg gelingt. Werden Linux und Mac der neue Renner unter den Systemen sein. Und Spieleentwickler sollten wissen, dass ein User liebendgern Spiele anstatt Updates und neue Windows Releases kaufen möchte. Natürlich ist Windows das meist verbreitetste System, aber es wäre kein Fehler, mehr Entwicklung in Open Source Systeme zu legen und Spiele für das jeweilige System spieletauglich zu machen. Windows ,Mac und Linux bieten alle Vorrausetzungen für Top Spiele Hits. Und in Zeiten der Blue Ray Disk könnte man ruhig PC Spiele für alle Platformen zugänglich machen. Da steigen die Umsätze von 90% auf 99%. Den es macht sicher mehr Spaß alles in einer Umgebung zu haben. Anstatt immer wieder ( für Multi Boot Systeme ) Rebooten zu müssen. Gruß an alle Zocker. Und gebt nicht zu viel Geld für neue Harware aus. Aus Erfahrung weiß ich das das nur meistens 1-2 FPS mehr im Spiel heist. Aber anstatt 700€, 1500-2000€+++ bedeutet. Wer schon so viel ausgibt, sollte darauf achten das er auch alle Benchmarkrekorde bricht, und Premien kassiert. zb von 3d Mark oder dem Spielefreund EVGA.