22. August 2007

Reihe: Das beste Betriebssystem. Teil 1 - Einführung

Der Titel ist natürlich Blödsinn. Zumindest, wenn er nicht ergänzt wird. Denn "DAS" beste Betriebssystem gibt es selbstverständlich nicht. Es gibt schlechte Betriebssysteme (die bekanntlich oft am weitesten verbreitet sind), und bessere. Aber selbst die schlechten haben eine gewisse Daseinsberechtigung. Denn es gibt einen Haufen Kriterien, die ein bestimmtes "OS" (Operating System) für bestimmte Anwender zu ihrem persönlichen "besten" Betriebssystem machen.

 

Warum ich hier eine weitere Blog-Reihe über Betriebssysteme schreibe? Weil es nützlich ist. Viele Menschen suchen in den Zeiten von Vista nach Alternativen und sind sich nicht schlüssig, was nun zu IHNEN paßt. Und das muß eben NICHT das sein, was Erz-Ober-Frickler F(r)eeSoftwareGuru aus seiner eng fokussierten Techie-Sicht heraus meint. Und schon gar nicht das, was der anzeigenabhängige Lohnschreiber in Redaktion XY promotet - der erst nach seinem Abschied Klartext zu reden wagt, wie in diesem Fall über Vista.

 

Was ist das beste Betriebssystem - und für wen?

Bei der Wahl des Betriebssystems haben viele Standpunkte ihre Berechtigung, und ich werde ein paar Kriterien zu Wort bringen, die MIR wichtig sind - und vermutlich auch manch anderem. Außerdem….

 

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Ein weiterer Grund für diese Serie: sie liefert den Hintergrund zu einem "Paradigmenwechsel" in meiner eigenen Computernutzung - und daraus abgeleitet auch in den von mir angebotenen Produkten und Dienstleistungen.

Meinen Wechsel zu OS X und Apple als Haupt-Arbeitsplattform habe ich ja bereits laut genug verkündet, und auch die iMacs und MacBooks im Elfenladen sind wohl kaum zu übersehen… ;-)

Indem ich meine Sicht der Dinge und meine eigene Entwicklung hier dokumentiere, liefere ich vielen vermutlich unerfahreneren Usern nützliche Tips für ihren eigenen Weg - und vermutlich eine viel Zeit, Arbeit und unnütz ausgegebenes Geld ersparende Abkürzung.

Für genau diese User aber gleich erst mal eine Begriffsklärung:

Vielen ist ja gar nicht klar, was überhaupt das "Betriebssystem" ist. Die enge Verflechtung zwischen Betriebssystem und Anwendungsprogrammen, die einige Hersteller praktizieren, hat dazu geführt, daß viele normale Anwender nicht verstehen, was denn nun der Unterschied ist zwischen "Microsoft", "Windows", "Betriebssystem", "Programm", "Office".

Da wird dann gerne mal gesagt "Ich arbeite mit Microsoft". Das ist zwar meist sogar richtig, aber gemeint ist eigentlich "Ich arbeite mit MS Office, dem Büroprogrammpaket von Microsoft, genaugenommen meist mit Word, dem Textverarbeitungsprogramm aus diesem Paket. Und worauf mein Rechner läuft, weiß ich eh nicht."

Microsoft ist das Unternehmen, das in dem Fall beides herstellt. Windows ist das Betriebsystem, auf dem dann diverse Programme laufen, die bestimmte Aufgaben erfüllen, wie z.B. MS Office für Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation.

Das Betriebssystem ist zwar im Prinzip auch nur ein Programm (Profis - Klappe halten ;-) - das sind vereinfachte Darstellungen für Menschen, denen Kernelversionen schnuppe sind!), oft in der gleichen Programmiersprache entwickelt wie die Anwendungen, die darauf laufen, aber seine Aufgabe ist eine andere.

Das Betriebssystem sorgt für die grundlegende Kommunikation zwischen Mensch und Rechner, und den einzelnen Hardwarekomponenten des Rechners untereinander. Also z.B. daß ein Tastendruck den richtigen Buchstaben erzeugt. Den dann der Bildschirm auch darstellt - und zwar möglichst hübsch und mit glatten Kanten. Daß - mittels "Treibern" - Dein Rechner ein DSL-Modem verwenden kann, um ins Netz zu kommen. Oder einen Drucker, um Dokumente auszudrucken. Daß Dateien einigermaßen ordentlich auf der Festplatte angeordnet werden.

Diese und viele andere, eher im Hintergrund ablaufenden Dinge besorgt ein Betriebssystem. Außerdem stellt es heutzutage eigentlich immer eine "graphische Benutzeroberfläche" ("Graphical User Interface" - GUI) zur Verfügung - also das bunte Zeug, daß meist "Desktop" genannt wird, und wo sich Symbole tummeln, mit denen man Programme starten, Dateien durchsuchen, den Rechner runterfahren, und vieles mehr kann - indem man einfach mit der Maus herumklickt, statt in einem schwarzen Fenster komische Befehle einzutippen.

Da das das Einzige ist, was die meisten Menschen je von ihrem Betriebssystem zu sehen bekommen (abgesehen von diversen Fehlermeldungen…), halten es die meisten Menschen auch für das eigentliche Betriebssystem. (so wie auch viele Google für das Internet halten…)
Und da dort - auf dem Desktop - auch meist Programme wie Office oder ein Mailprogramm oder der Internet-Browser in Icon-Form herumliegen, verschwimmt die Grenze zwischen dem grundlegenden Betriebssystem und den darauf fußenden Anwendungen für viele.

Erschwerend kommt hinzu, daß die meisten Betriebssysteme mittlerweile auch bereits zahlreiche Anwendungsprogramme mitbringen. So gehört strenggenommen Outlook Express, diese Krankheit, die manche als eMailprogramm betrachten, nicht zu Windows, gleiches gilt für Internet Explorer, Wordpad, Messenger, Editor, etc. - da sie aber mit dem System ausgeliefert werden (und von Microsoft auch gründlich mit dem System verzahnt wurden), werden sie meist als Bestandteil des Betriebssystems betrachtet.

Kompliziert? Macht nix. Muß man so genau gar nicht verstehen.

Wer es genauer wissen will, findet zahllose Seiten im Netz, die sich mit den einzelnen Betriebssystemen und ihren Innereien auf technischer Ebene beschäftigen, bis zum Abwinken. Aber das ist genau das, was man als normaler Anwender, der eigentlich nur bestimmte Dinge mit seinem Rechner TUN will, gar nicht so genau wissen will. Und auch gar nicht so genau wissen müssen sollte.

Wichtig ist nur, zu kapieren, daß es überhaupt einen Unterschied gibt zwischen "Microsoft", "Windows" und "Office", zwischen Betriebssystem und Anwendung/Programm. Denn dann versteht man auch leichter, warum es z.B. möglich ist, das zu trennen und mit Microsoft Office auf einem Apple Mac zu arbeiten, der als Betriebssystem eben nicht Windows, sondern Mac OS X hat.

Oder warum es Safari, den eingebauten Webbrowser des OS X-Betriebssystems, jetzt auch für Windows geben kann.

Oder warum es OpenOffice, die alternative Büroprogrammsammlung, die MS Office ordentlich Feuer unterm Hintern macht, und viele andere Anwendungen praktisch für alle relevanten Betriebssysteme gibt - so daß man mit den gleichen Programmen arbeiten kann, wahlweise unter Linux, Windows, OS X, BSD, Solaris, etc.

Da das, was der Benutzer mitbekommt, weitgehend von der graphischen Benutzeroberfläche (die sich bei den meisten Betriebssystemen sehr weitgehend manipulieren und anpassen läßt) und den verwendeten Programmen abhängt, kann man lustige Szenarien basteln: so läuft in einem kleinen britischen Internet-Café (und vermutlich nicht nur dort) auf allen Rechnern ein modifiziertes Puppy-Linux ("Puppy" ist eine sehr schlanke, schnelle, besonders für altersschwache Rechner geeignete Linux-Variante). Die Oberfläche sieht aus wie Windows, es gibt Firefox und OpenOffice und ein paar andere Programme, die auch Windows-Benutzer kennen, und jeder Normaluser schwört, er würde auf Windows arbeiten…

Wer nun aber denkt, es sei wurscht, welches Betriebssystem man verwendet, liegt grob daneben.

Die Hauptkriterien:

  • Preis. Von Null bis heftig.
  • Hardware-Vielfalt und Treiberverfügbarkeit. Viele Hardware-Hersteller sind zu faul, z.B. für ihre Graphikkarten Treiber für alle wichtigen Betriebssysteme zur Verfügung zu stellen. Andere, wie Apple, legen ihr Betriebssystem von vorneherein darauf aus, nur auf bestimmten Konfigurationen zu laufen, die der Benutzer weder verändern kann noch soll.
  • verfügbare Programme. Nicht alles ist "cross platform", also für mehrere Betriebssysteme erhältlich. In vielen Fällen muß man die Wahl des Betriebssystems leider davon abhängig machen, ob man ein bestimmtes Programm braucht, das es mal wieder nur für EIN Betriebssystem gibt.
  • Ressourcenbedarf. Nicht erst seit Vista ist bekannt, daß Betriebssysteme sehr unterschiedliche Anforderungen an die Rechnerleistung stellen, bzw. diese gerne für unnütze Funktionen, optischen Schnickschnack und dank schlampiger Programmierung vergeuden.
  • Geschwindigkeit. Nicht nur durch den unterschiedlichen Ressourcenbedarf bedingt, unterscheiden sich Betriebssysteme in ihrer Geschwindigkeit - oder Trägheit. Bei vielen Anwendungen spielt das keine Rolle, da heutige Rechner ohnehin mehr Leistung bieten, als selbst die fetteste Textverarbeitung benötigt. Aber je nach Anwendungsbereich gibt es massive Unterschiede in der Leistungsfähigkeit - z.B. bei professioneller Echtzeit-Audio-Bearbeitung. Und auch die "gefühlte Geschwindigkeit", z.B. beim Öffnen eines Browsers, unterscheidet sich mitunter heftig.
  • Sicherheit und Stabilität. Wie anfällig ist ein System für Angriffe von außen? Wie gutmütig geht es mit Bedienfehlern um? Wie stabil läuft es - oder fabriziert es ständig Abstürze, ggf. mit Datenverlusten? Wie beliebt ist es bei "Hackern" und Virenprogrammierern? Was bringt es bereits an sauber integrierten Tools für Verschlüsselung und Privatsphäre mit?
  • Bedienlogik. Das Betriebssystem stellt den Programmen, die auf ihm laufen, viele grundlegende Funktionen zur Verfügung (wie speichert man, wie bewegt man Text von einem Fenster ins andere, Tastenkombinationen, etc.pp.). Auch die Dateiverwaltung und die betriebssystemeigenen Dienstprogramme unterscheiden sich massiv in ihrer Benutzerführung. Daher ist es oft einfach "Geschmacksache", welches System man bevorzugt, weil es dem eigenen Denken am ehesten entspricht.
  • Optik. Ist das Aussehen der Oberfläche professionell? Fördert es die Produktivität, oder ist es dekorativer Selbstzweck? Geraten optische Elemente eher zwischen den Benutzer und seine Arbeit - oder erleichtern sie ihm unauffällig-angenem sein Werk?
  • Ideologie. Ja, auch das spielt eine Rolle. Ob das System von einem macht- und geldgeilen Konzern kommt - oder ob es von vielen Menschen größtenteils ehrenamtlich entwickelt wurde. Ob es seine Nutzer ausspioniert, oder ob alle Karten auf dem Tisch liegen. Nicht unwichtig.

Eine Menge Zeuch.

Könnte man im Einzelnen für jedes einzelne Betriebssystem drauf eingehen. Und kräftig aufeinander einschlagen, wie es unter den einschlägigen "Jüngern" z.B. im Heise-Forum immer sehr beliebt ist.

Aber genau das ist nicht Sinn dieser Reihe.

Ich werde in den kommenden Tagen in jeweils einem Artikel die wichtigsten Systeme vorstellen - aber dabei mehr meine zusammenfassende Interpretation liefern, als mich in technischen Details zu ergehen. Die kann, wer Langeweile hat, woanders nachlesen. Wobei vielen "Tests" und "Studien" mit Vorsicht zu begegnen ist - denn häufig schreibt der Hersteller direkt (oder indirekt übers Bankkonto) mit….

Hier soll es darum gehen, für welchen Anwendungsbereich und für welchen Benutzertyp / Charakter das jeweilige System (und die dafür vorhandenen Programme) optimal ist - und nicht darum, ob nun die Apple-Firewall drei Pakete mehr pro Sekunde schafft als die Windows-interne Firewall oder ob der OpenSource DRI Treiber für Ati-Graphikkarten mittlerweile auch mit Linux- Kernel 2.6.21, Patchlevel 764985 optimal arbeitet und volle 3D-Beschleunigung bietet…

Die geplanten Artikel in der Reihenfolge ihres - hoffentlich täglichen - Erscheinens:

  • Windows - der Platzhirsch mit dem morschen Geweih. Und warum manche ihn immer noch füttern.
  • Linux - die Zukunft, die nicht jedem paßt. Und wer schon heute damit glücklich wird.
  • Spezialisten und Nischensysteme - interessante Sonderlinge, wo man mal sieht, wie gut ein Betriebssystem eigentlich sein könnte…
  • Mac OS X - das meiner Meinung nach beste real-existierende und relevante System. Für wen es am besten ist. Und warum.
  • Zusammenfassung - Warum wir uns alle ganz lieb haben. Und warum man am besten alle drei "großen" Systeme auf seinem Rechner hat…

Ich freue mich, wenn Ihr mitlest! Und via Kommentarfunktion Euren Senf dazugebt.

Bis morgen!

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