Ein Werbebildchen von Amazon zum brandneuen Kindle Fire

Es war, neben dem iPhone 4S, das vermutlich meisterwartete Produkt 2011. Der Kindle Fire.
In Deutschland offiziell noch gar nicht bestellbar, aber natürlich via Ebay und sonstige Kanäle schon zu haben. Und in USA und ein paar anderen Ländern bereits im breiten Einsatz.

199 Dollar kostet der Kindle Fire dort. Wenig, für ein so tolles 7″-Tablet, oder? Und Kindles sind doch generell tolle eBook-Lesegeräte, oder? Da muß auch der Fire klasse sein…

Ist er aber nicht.

Hauptkritikpunkte beim Kindle Fire

    7 Zoll sind einfach zu wenig. Und in diesem Fall auch nicht scharf genug – außer man verwendet ein lesetaugliches e-Ink-Display wie bei den „normalen“ Kindles.

    Die Auflösung beim Fire ist 1024×600, was schon auf Netbooks fürchterlich genervt hat, weil 600 Pixel einfach zu „flach“ ist und man von Dialogfenster bis WebSites ständig am Scrollen ist.

    Und mit 169 DPI (Pixel pro Zoll) ist das Display auch nicht scharf genug für kleine Schrift, es ist den Graustufen-e-Ink-Displays der Kindle-eBook-Reader weit unterlegen.

    Und wie praktisch alle Nicht-e-Ink-Displays ist das Display des Fire auch nicht tageslichttauglich.

    Nicht jeder braucht 3G, aber gerade wenn der interne Speicher sehr begrenzt ist und man auf Cloud-Speicher angewiesen ist, ist es lästig, nur in Gebieten mit WLAN-Abdeckung an seine Daten zu kommen. Wenigstens als Option wäre 3G oder 4G wünschenswert. Gibt es aber nicht.
    Satte 8 Gigabyte internen Speicher bietet der Kindle Fire, von denen nur rund 6GB zur freien Nutzung bereitstehen…

    Mit diesen Werten hätte Amazon vor 2-3 Jahren vielleicht beeindrucken können. Aber nicht 2011.

    Dazu kommt erschwerend, daß keine Erweiterungsmöglichkeiten existieren – es gibt keinen Kartensteckplatz für SD-Speicherkarten oder ähnliches.

    Stattdessen wird einem der Amazon-Cloud-Service aufgezwungen, wo die Daten irgendwo auf Amazon-Servern herumliegen und bei Bedarf übers Netz abgerufen werden. Abgesehen von Datenschutzaspekten – es ist einfach unpraktisch, besonders, wenn man im Ferienhäuschen kein WLAN hat und dann mal wieder auffällt, daß der Fire eben ohne 3G kommt…

    Dazu nehme man noch eine etwas schwächliche CPU, die gänzlich durch Abwesenheit glänzende Kamera und höchst mittelmäßige Batterielaufzeiten… und fertig ist das hochgehypete Billig-Tablet für die Geiz-ist-Geil-Lemminge…

    Nö – sind zwar nur 199 Dollar (mal abgesehen davon, daß das Teilchen hierzulande dank mittelalterlicher Zollpolitik, Abstrusitäten wie „Mehrwertsteuer“, Versandkosten etc.pp. natürlich teurer kommt, aktuell rund 250 Euro bei Anbietern aus der EU), aber in unseren Augen 199 rausgeschmissene Dollar.

    Alternativen:

    Du willst einen anständigen eBook-Reader?

    Bleib bei den normalen Kindles. Die tun ihren Job, und zwar gut. Graustufen, knackscharfe Schrift, gute Batterielaufzeit, voll tageslichttauglich. Momentan „alternativlos“, wenn man wirklich Bücher lesen will.

    Du willst ein ernstzunehmendes Tablet?

    Dann mußt Du etwas tiefer in die Tasche greifen. 7-Zoll-Tablets sind einfach faule Kompromisse bei heutiger Bauweise und Displayqualität – also muß man in die 10-Zoll-Klasse gehen. Und da sinnvollerweise gleich richtig zuschlagen, damit man eine Weile Freude hat an dem Teil. Apple iPad oder der Quadcore-Tablet/Netbook-Hybrid Asus Transformer Prime sind hier z.Zt. wohl die beste Wahl. Ja, die sind deutlich teurer. So ist das nun mal. ;-)

    Du willst das eierlegende Wollmilch-Lese-Tablet?

    Dann mußt Du noch mindestens eine Generation der Tablets/Pads abwarten. Es sieht so aus, daß iPad 3 und seine dann wieder zahlreichen Abkupferungen hochauflösende Displays bekommen, die in der Pixeldichte dem von iPhone und iPod Touch bekannten „Retina-Display“ gleichen, bei dem das Auge die einzelnen Pixel so gut wie nicht mehr unterscheiden kann und damit auch perfekt gestochen scharfe Schrift zum Lesen möglich wird – bei gleichzeitiger Fähigkeit, Videos, Spiele, Photos und sonstiges Farbige und Bewegte darzustellen, was e-Ink-Displays nicht können.

    Dann bleibt zwar noch das Problem der Tageslichttauglichkeit, aber Tablets mit einer Pixeldichte von über 300/Zoll dürften den reinen eBook-Readern wirklich erstmals sinnvoll Konkurrenz machen können.

    Bis dahin bietet ein Standard-Kindle (den man auch später nicht wegwerfen muß sondern gut als „Taschenbuch“ ein paar Jahre hernehmen kann) das beste Preis-/Leistungsverhältnis. Der Fire dagegen wird frühestens in der Version 2 oder 3 von Interesse sein – denn bislang bietet er nicht, wie vollmundig verkündet, „mehr für weniger“, sondern ist einfach nur „billig“.

    P.S.: für die Unbelehrbaren – hier ein paar Ebay-Links zum Fire. Kauft ruhig, aber sagt nachher nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt… ;-)

     

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    2 Responses to (P)Review: Kindle Fire – Schrott oder Ei des Kolumbus?

    1. […] detaillierte Review findet Ihr hier: Kindle Fire – Hype für Billigheimer oder Ei des Kolumbus? by Martin on 27. Dezember 2011 in Blog • No Comments • tagged in eBook Reader, […]

    2. Martin sagt:

      Übrigens scheint auch das Betriebssystem noch geringfügig verbesserungswürdig zu sein – erst durch das Software-Update 6.2.1 kann der Fire nun halbwegs flüssig scrollen… *lach*

      Warten wir mal 2-3 weitere „Fire“-Generationen ab, vielleicht kann man die Amazon-Flunder dann irgendwann wirklich ernst nehmen, größere Geräte sind für nächstes Jahr ja bereits angekündigt.

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